Geschichte
Zwei Brücken, mehrere Jahrhunderte Stadtgeschichte: Die Nydegg- und die Untertorbrücke gehören zu den prägendsten Bauwerken Berns. Hier tauchen Sie ein in die Vergangenheit und erfahren mehr über die ältesten Brücken der Stadt.

Über die Untertorbrücke durch die Jahrhunderte
Verbindung über die Aare
Bern entstand 1191 unter dem Zähringer Herzog Berchtold V. nicht als Marktplatz in der Ebene, sondern als Festung auf der schwer zugänglichen Halbinsel. Zunächst wird die Aare von dort per Fähre überquert. Erst später lassen die Zähringer eine Holzbrücke bauen.
1256
Holzbrücke
Bis dahin führt dort, wo heute die Untertorbrücke steht, eine Holzbrücke über die Aare.
Bis 1460
Weggeschwemmt
Ein Aarehochwasser schwemmt die Holzbrücke weg.
1460
Die Untertorbrücke wird gebaut
Die heutige Steinbrücke wird erbaut. Die Untertorbrücke bleibt 380 Jahre lang die einzige feste Verbindung über die Aare. Sie ist eine der ältesten Steinbrücken der Schweiz. Ursprünglich war sie Teil der Stadtbefestigung: Ein gedeckter Wehrgang und ein Tor schützten die Stadt.
1461–1490
Neue Besitzerin
Die Brücke wechselt vom Kanton in den Besitz der Stadt Bern.
1927
Letzte Sanierung
Die Brücke wird umfassend saniert und mit einer Stahlbetonplatte verstärkt.
1980–1982
Slackline über der Aare
Seit 2018 verboten, nun wird im Zuge der Sanierung eine offizielle Verankerung montiert. Slackliner*innen und Surfer*innen können sich freuen.
2009–2018
Auf in die Zukunft
Die Untertorbrücke muss saniert werden: Schäden an den historischen Geländerverankerungen, an den Gewölbeuntersichten und an der Abdichtung werden behoben. Die Stimmberechtigten haben den Kredit am 18. Mai 2025 genehmigt.
2025
Sanierungsarbeiten starten
Während die Nydeggbrücke austrocknet, starten die Sanierungsarbeiten an der Untertorbrücke.
2029–2031
Gewusst?
- Bis weit ins 20. Jahrhundert nannte man die Untertorbrücke im Volksmund «alte Nydeggbrücke» – ein Hinweis darauf, dass die beiden Brücken seit jeher eng zusammengehören.
- Die Brücke besteht hauptsächlich aus Tuffstein und Sandstein aus der Region.

Die Untertorbrücke befindet sich auf Flussniveau. Fussgänger*innen nutzen sie zum Queren, müssen aber den Stalden auf der einen Seite hinunter und auf der anderen wieder hoch. Wie beschwerlich die Steigung ist, zeigt heute noch der «Grand-Prix von Bern». Von 1840 bis 1844 wurde die höher gelegene Nydeggbrücke gebaut.
Der Bau der Nydeggbrücke – eine bautechnische Pionierleistung
Der «Nydegg oder Kornhausbrücke»-Streit
Um den Standort der neuen Hochbrücke gibt es einen heftigen Streit, den schliesslich die untere Altstadt bei der Nydegg gewinnt. Dort befindet sich – bis zum späteren Bau der Eisenbahn – nämlich das Stadtzentrum.
1836
Ein bauliches Meisterwerk entsteht
Der Urner Unternehmer Karl Emanuel Müller, der auch die zweite Teufelsbrücke in der Schöllenenschlucht baute, beginnt mit der Arbeit.
1840–1844
Eröffnung
Der mittlere der drei Bögen ist bei der Eröffnung mit einer Spannweite von rund 45,9 Metern einer der grössten Natursteinbögen Europas.
1844
Zahlen, bitte
Der Bau wird von einer privaten Baugesellschaft finanziert. Für die Refinanzierung wird beim Queren das sogenannte Brückengeld eingezogen. Postkurse, Krankentransporte und Kinder sind ausgenommen.
Bis 1853
Sanierungen
Fast 140 Jahre muss am Tragwerk nichts instandgesetzt werden. Im Dezember 1980 fällt eine grosse Sandsteinplatte auf das Trottoir der Mattenenge. Die erste Sanierung steht an. Später werden die Sandsteinuntersichten der beiden Seitenbögen instandgesetzt und der noch vorhandene Sprengstoff entfernt – wie aus vielen anderen Brücken und Tunneln, wo dieser in den 1980er Jahren zur Selbstsprengung gelagert war.
1981–1983 und 1989–1991
Zurück zur Stadt Bern
Anlässlich der 150-Jahrfeier geht die Nydeggbrücke vom Kanton ins Eigentum der Stadt Bern über.
1994
Sanierungsarbeiten genehmigt
Die Nydeggbrücke muss erneut saniert werden. Das gestiegene Verkehrsaufkommen, Wasser und Witterung haben zahlreiche Schäden verursacht. Die Stimmberechtigten der Stadt Bern haben den Ausführungskredit zur Sanierung am 12. März 2023 genehmigt.
2023
Sanierungsarbeiten starten
Die erste Bauetappe beginnt im Februar auf der Nydeggbrücke.
2027–2028
Sanierungsendspurt
Nach der Austrocknungszeit werden die letzten Arbeiten am Sandstein durchgeführt.
2031–2033
Gewusst?
Design-Geheimnis: Die Nydeggbrücke ist konsequent punktsymmetrisch angelegt, sogar die vier Zollhäuschen folgen dieser Logik. Der heutige Kreisel beim Bärenpark stört diese Ordnung, weil er neben der Brückenachse liegt. Mit der Sanierung wird er leicht nach Norden verschoben. So liegt sein Mittelpunkt künftig genau auf der Sichtachse zum Sprünglibrunnen, und die ursprüngliche Symmetrie ist wiederhergestellt.
Geschützte Zeitzeuginnen
Beide Brücken sind im Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) verzeichnet. Das Inventar hat zum Ziel, wichtige verkehrshistorische Zeitzeuginnen wie die Nydegg- und die Untertorbrücke zu erhalten und zu pflegen. Für die Sanierung bedeutet das: Der Bund unterstützt die besonders sorgfältige, denkmalgerechte Planung finanziell.

